Im Frühjahr 2006 fiel uns eine Anzeige im Augustheft der Zeitschrift "rd - Rechentechnik - Datenverarbeitung" 1988 auf, in welcher das Wissenschaftlich-technische Zentrum der Landwirtschaft in Markkleeberg einige gebrauchte Wechselplatten anbot. Anschließend wurde die Adresse des Betriebes mit unserer Industrieliste abgeglichen und im Internet rechergiert, was daraus geworden ist. Es fand sich ein ca. 2 Jahre altes Expose des Liegenschaftsamtes Leipzig, in welchem das gesamte Objekt samt der (laut Ausschreibung) beräumten Rechenstation zum Verkauf angeboten wurde. Der Kontakt zum Liegenschaftsamt Leipzig war schnell hergestellt und mit einer sehr freundlichen Mitarbeiterin konnten wir einen Vororttermin vereinbaren, zu welchem Hobbykollegen aus Halle, Crimmitschau und Naumburg anreisten. Sie sollten dafür belohnt werden.
Nachdem wir durch das leerstehende Verwaltungsgebäude und einen ziemlich maroden Verbindungsgang gelaufen sind, schloß uns die Dame die schwere Stahltür zum eigenlichen Rechnerraum auf - in welchem im Halbdunkel große blaue Würfel auszumachen waren. Seit 18 Jahren stand in diesem Raum eine ESER EC1056, der vorletzte Typ des ESER. In der Zwischenzeit wurden einige Komponenten wie einige Wechselplatten, der Prozessor und die Bedieneinheit entfernt. Aufgrund der professionellen Art der Demontage und den Beschriftungen an den verbliebenen Geräten gehen wir davon aus, daß die abgebauten Geräte nicht verschrottet worden sondern an anderer Stelle in bedeutend kleinerer Konfiguration wieder eingesetzt worden sind. Im Rechnerraum fanden sich SVP-Ausdrucke mit Daten von 1992, sodaß wir weiter davon ausgehen, daß die Demontage nach 1992 standgefunden haben muß. Momentan knüpfen wir Verbindungen
zu ehemaligen Betriebsangehörigen um herauszufinden, wo die Geräte abgeblieben sind. Was wir bei unserem Besuch vorfanden war folgendes:
Trotz des etwas bitteren Beigeschmacks wegen des fehlenden Prozessors war es sehr aufregend dabeizusein, wenn einige von uns
zum ersten Mal in ihrem Leben einen Plattenstapel in eins der Laufwerke einsetzten (eine echte Prozedur). Durch die Aufregung und aufgrund mangelnden Equipments wie starker Lampen und Stativen waren die Dokumentationsbilder sehr bescheiden.
Anschließend versuchten wir verstärkt einen Platz wo wir die Geräte sichern konnten. Dies sollte bis vor kurzem ein großes Problem darstellen. Anfang Dezember kam dann auch noch der Anruf aus dem Liegenschaftsamt, vor dem wir uns die ganze Zeit gefürchtet hatten - der Abriß steht kurz bevor. In Windeseile wurde ein neuer Vororttermin vereinbahrt und wir erhielten die Möglichkeit in Folge öfters das Gelände zu betreten. Am Freitag den ersten Dezember fuhr ich mit Ronny bei für diese Jahreszeit sehr moderaten Temperaturen nach Markkleeberg und begannen mit den Arbeiten.
Zuerst erfolgte eine detailiertere Dokumentation der vorhandenen Geräte und der bautechnischen Schäden, eine genaue Vermessung der Geräte um die Transporter zu planen und eine Beschriftung der Kabelverbindungen. Danach wurden die Verbindungskabel Stück für Stück demontiert und zu einem großen Stapel im Rechnerraum aufgetürmt, der am Nachmittag schon über einen Meter hoch war. Das erste Gerät, welches aus seiner Originalposition bewegt wurde war ein Wechselplattenspeicher und wir stellten erfreut fest, daß der russische Hersteller fairerweise Rollen unter dem mehrere hundert Kilo schweren Würfel befestigt hatte. Nacheinander wurden die Geräte an einer Stelle zusammengerückt und die entstandenen Löcher im Doppelfußboden durch loseherumliegende Platten geschlossen. Es folgten die Anschlußeinheiten und 5 der Bandlaufwerke, wobei zwei von ihnen dadurch aus dem direkt durch Wasser gefährdeten Bereich gebracht werden konnten. Die Drucker wurden abgekabelt und es gelang uns einen an einer Ecke hochzuheben und auf eine Bodenplatte zu stellen - jeder weitere Versuch einer Bewegung scheiterte momentan am Gewicht und der unhandlichen Geometrie des Gerätes.
Schwerbeladen mit dem Terminal, einigen Magnetbändern, Kabeln und einem kleinen Teil der Gebäudeunterlagen traten wir gegen 16.00 den Heimweg an. Mittlerweile konnte man im Rechnerraum mit seinen kleinen Fenstern fast nichts mehr sehen und wir fühlten uns ein wenig wie überfahren.
Am darauffolgenden Montag erhielten wir ein erstes grünes Licht bezüglich der Räumlichkeiten für des Museum und begannen sofort mit der Planung des weiteren Abbaus und des darauffolgenden Transportes, welcher, laut unserer bisherigen Berechnungen, mit 8 Fahrten eines MB100 abgewickelt werden müßte. Als Problem könnte sich der rauhe und durch Umwelteinwirkungen zerstörte Boden des Verbindungsganges herausstellen, sodaß wir diesen wohl erstmal gründlich reinigen müssen, bevor wir mit einem Hubwagen die Geräte zur Eingangstür fahren können.
Bilder der Demontage Teil 1.
Da wir nun einen Schlüssel zum Gelände hatten, konnten wir eigenständig agieren und die Arbeitszeiten auch auf solch exotische Zeiträume wie Sonntag zwischen 14 und 22 Uhr schieben. Am zweiten Abbautag hatten wir bis auf die Gerätereihe, die aufgrund des fehlenden Boden schwer erreichbar war, alle Geräte von ihren Kabelverbindungen befreit. Da wir während der Arbeit mehrere merkwürdige Personen im Ojekt beobachten konnten, entschieden wir uns, einen Großteil der Geräte im nahezu fensterlosen Rechnerraum aufzustellen. Hiermit sollte das Interesse jener Personen an den Geräten oder ihrer Zerstörung gedämpft werden.
Tags darauf gruben wir uns zu zweit durch die beiden Räume, in denen bis ca. 1m Höhe Magnetbänder lagen. Es stellt sich heraus, daß diese Datenträger mit jeweils ca. 1Kg nicht nur recht gewichtig, sondern als loser Haufen auch unheimlich rutschig und lawinenartig reagierten. In dem Raum mit den intakten Fenstern stapelten wir die Bänden zu beiden Seiten die Wände hoch, sodaß dazwischen der Boden frei war. In dem Raum mit den eingeschlagenen Fenstern, durch welchen ein Zugang zu den anderen Räumen (außer dem Rechnerraum) möglich war, stapelten wir die weniger interessanten Bänder vor der Tür bis fast zur Decke und verließen ihn durchs Fenster. Möchte jemand durch diesen Raum das Gebäude betreten, so kommt nicht nur eine zeit- und kraftraubende Arbeit sondern auch ein recht hohes Gefahrenpotential auf ihn zu (die Stapel knisterten und knackten unter dem hohen Gewicht bereits verdächtig). Am Boden dieses Raumes lagen Magnetbänder in verplomten Plastetüten, von denen wir aufgrund einer abweichenden Nummerierung davon ausgehen, daß sie original nicht zu dieser Rechenstation gehörten. Wir arbeiten daran, ihren Ursprung zu ergründen.
Bilder der Demontage Teil 2.
Am Freitag den 09. Februar 2007 trafen wir uns am frühen Abend im stockdunklen Rechenzentrum in Markkleeberg. Ziel war die Vorbereitung des Transportes, sodaß die Geräte am Montag dann wirklich nur noch eingeladen und abtransportiert werden müßten. Nach kurzer Zeit bekamen wir, als wir gerade den Flur und die feuchte Ecke vom Bauschutt reinigten, Verstärkung durch Kai, der extra aus Naumburg angereist war und Rüdiger, der wie ein bejakter aus Wolfsburg herbeigeflogen kam. Um im Dunklen arbeiten zu können, hatten wir den ganzen Tag über kleine Lampen gebaut, die aus einem Bleigelakku und einer kleinen Leuchtstoffröhre aus nem Flachbettscanner bestanden. Diese Lampen stellten wir alle paar Meter im Gang, im Treppenhaus und zwei im Rechnerraum auf. Lokal wurden sie dann durch Taschenlampen unterstützt. Mal schauen - vielleicht hole ich mir mal ein Notstromaggregat, dann könnte man sich an die vorhandenen Lampen anklemmen...
Als erstes analysierten wir die dünne Wand in dem Raum, wo die Wechselplatten standen. Der Gedanke war, diese herauszupochen und dort die Technik direkt in den Lkw zu verladen. (Rüdiger hatte aus unserem gebuchten Sprinter mal eben einen richtigen Lkw mit 7,5t Gewicht mit Hubboardwand gemacht.) Die Wand wäre unkritisch gewesen, da das Gebäude sowieso kurz vorm Abriß stand.
Nach Entfernen der Wandverkleidung und des Fensterbrettes, unter dem sich schon ein feuchtes Biotop gebildet hatte, lächelte uns ein massiver Stahlträger an. (Kantenlänge 150mm, Stärke 12mm und vermutlich raumbreit und seitlich verschweißt) Außerdem entpuppte sich die Wand darunter als nicht gemauert sondern gegossen, sodaß wir davon ausgehen mußten, sie würde weiteren Stahl enthalten. Nach einer Tasse heißen Tees zum Runterspülen dieses Schocks fingen wir an, den Flur als Ausweg herzurichten. Innerhalb der letzten Jahre waren gerade an der Stelle, wo der Gang einen Knick macht, erhebliche bautechnische Schäden aufgetreten. An dieser Stelle ist die Bebauung ein in den 1980ern angebautes Verbindungsgebäude, welches bis zur Wende nicht ganz fertig geworden ist. Hier lief das Wasser die Wände herunter und nahm einen Teil der Decke und des Putzes gleich mit. Auf dem Boden lagen teilweise mehrere Zentimeter Schlamm, den wir beräumen mußten. Im Gang und am Zugang zum Rechnergebäude (nicht die am Rechnerraum) wurden Türen ausgehangen um mehr Platz zu haben. In der feuchten Ecke gab es nämlich eine weitere Hürde: auf ca. 1m Länge war an einer Seite (vermutlich aufgrund eines alten Rohrbruchs), der Boden 50cm tief aufgehackt und nur mit einer dünnen Stahlplatte bedeckt gewesen. Hier hatten wir einige Zweifel, daß wir nicht beim Versuch, die Platte zu überqueren mitsamt dem Gerät im Boden versinken würden. Es ging gut aber mit der Zeit bildeten sich im Fußbodenbelag starke Rillen von den Geräterollen, was auf den maroden Untergrund schließen ließ. Da die dünne übriggebliebene Schlammschicht stark glitschig war und wir manchmal kaum Halt fanden um die Geräte vorwärtszuschieben, mußten wir sie "aufwischen". Und da es keine richtigen Lampen gab mußten dafür alte Glasfaserplatten aus der Schallisolation der Wände herhalten...
Mit vereinten Kräften konnten wir die Bandgeräte und Platten recht schnell davon überzeugen, sich zu bewegen und am Ende konnten wir sie zu dritt recht zügig und sicher durch den langen Gang bis zum Haupteingang bewegen. Größer war dann eigentlich mehr das Problem, daß sie am Ziel wieder abgebremst werden mußten. Sogar der Controller-Schrank für die Wechselplatten war mit sovielen helfenden Händen bewegbar. Ein Problem blieb aber noch: Die drei gigantischen Paralleldrucker. Sie hatten Füße statt Rollen, wogen je über 400Kg und trotz Sackkarre und brutaler Kraftentwicklung hatten wir es bisher nur geschafft, eines dieser Geräte um ca. 1m zu bewegen. Rüdiger schlug vor, die fast 30Kg schwere Typenwalzen auszubauen, was nach einigem Basteln auch gut erlang. Weitere einfachabbaubare Teile fanden wir aber leider nicht. Das Problem der Drucker bereitete mir schon seit einiger Zeit Kopfschmerzen. Ohne Hubwagen würden sie vermutlich nicht bewegbar sein. Dummerweise hatten wir bisher keinen Hubwagen nach Markkleeberg bringen können. Wir wollten aber auch nicht die Drucker bis zum Transporttag an ihrem angestammten Platz lassen. Freitag früh hatte ich zwei stabile Stahlrohre besorgt. Nun hoben wir den Drucker an einer Seite leicht an (wofür sich zwei Leute auf die Sackkarre schmissen) und steckten die Rohre drunter. Auf den Rohren konnte man den Drucker innerhalb von Minuten mehrere Meter schieben, dabei lenken und brauchte nur eine Hand. Leider mußten ständig die Rohre hinten rausgezogen und vorn wieder druntergesteckt werden. Da wir nicht wußten, ob wir sie in dem schmalen Gang seitlich rausziehen könnten, und da wir Montag ja sowieso einen Hubwagen haben würden, ließen wir den Drucker am Eingang des Rechnerraumes stehen.
Gegen 22:30 waren wird fertig und auch körperlich recht geschafft. Trotz der eisigen feuchten Luft kamen wir gerade beim Schieben der Geräte durch den Gang ganzschön ins Schwitzen. Ehrfurchtsvoll tranken wir zur Stärkung heißen Tee und aßen Würstchen, die Rüdiger mitgebracht hatte und betrachteten die verbliebenen Gerätschaften. Nach dem Gruppenfoto räumten wir unsere sieben Sachen und viele kleine Lampen zusammen und fuhren heimwärts - in der Gewißheit nun eindeutig auf dem richtigen Weg zu sein, die seltenen Geräte zu retten.
Samstag wurde dann die Fahrtroute geplant. Das Problem lag in der auf 100km begrenzten Leistung des Lkw. Jeder weitere Kilometer sollte satte 62 Cent kosten. Der Lkw mußte am Hauptbahnhof in Halle gemietet werden und dann mußte da noch irgendwie der geliehene Pallettenhubwagen rein. Dieser sollte erst von Arthur aus Merseburg kommen. Da die Leute dort aber Montag erst nach 09:00 verfügbar gewesen wären, wir den Lkw aber schon um 08:00 abholen konnten, entschieden wir uns für einen anderen Hubwagen, den ich vorher auf dem Weg zum Bahnhof abholte und im Scirocco transportierte wollte. Mitlerweile hatten sich noch Interessenten aus Plauen und Naumburg gemeldet, die Technik für ihre Sammlungen übernehmen und uns etwas bei den mittlerweile nicht ganz unerheblichen Transportkosten unterstützen wollten.
So sollte die Technik verteilt werden:
Nach dem Mittagessen fuhren wir am Sonntag nach Markkleeberg, um uns vor Ort mit Ralf von der naumburger Gruppe umzusehen. Er zeigte großes Interesse an einer Wechselplatte und einem Magnetbandgerät. Da die bereits weggerollten Geräte schon vergeben waren, mußten wir erstmal einige Meter Boden bauen und schoben dann ein Gerät aus der verbliebenen Reihe zum Ausgang. Durch den starken Niederschlag in der Nacht hatte sich inzwischen im Gang wieder eine erhebliche Menge Wasser und Schlamm gebildet, sodaß das Vorwärtskommen erschwert wurde. Bis in den späten Abend hinein demontierten wir noch einige der Stromversorgungs- und Interfaceleitungen, die wir später brauchen werden, um die Geräte erneut anzuschließen. Kai nutzte die Zeit, um aus den 7 restlichen Magnetbandgeräten Ersatzteile wie Magnetköpfe und Steckeinheiten auszubauen. Diese unzähligen Kleinteile fanden in einer großen russisch-beschrifteten Holzkiste Platz.
Montag früh um halb sieben begann für uns ein arbeitsreicher Tag. Während ich mit meinem Bruder den Hubwagen mit dem Namen "Ameise 2000" von der HKS Prozesstechnik GmbH Halle abholten, die ihn uns freundlicherweise für den Transport auslieh, mußte Ronny zufuß bis hinter den Hauptbahnhof laufen, da er bei uns nicht mehr reinpaßte. Rüdiger war zu diesem Zeitpunkt bereits seit einiger Zeit auf dem Weg von Crimmitschau zu uns. Geplant war ein Abfahrtstermin von spätestens viertel neun. Durch einen größeren Lkw-Unfall auf der A4 wurde Rüdiger allerdings aufgehalten, sodaß wir erst eine Dreiviertelstunde später starten konnten. Da er der einzige Beteiligte mit entsprechender Fahrerlaubnis war, fuhr er den Transporter vom Typ Mercedes Benz Atego mit einer Lagefläche von 2,46x6,04m und pneumatischer Ladebordwand.
Kurz vor 10 kamen wir nahezu zeitgleich in Markkleeberg an, wo Kai seit einigen Minuten auf uns wartete. In Windeseile buchsierten wir den Lkw soweit wie möglich an den Eingang des Gebäudes heran und bauten eine provisorische überfahrt zur Ladebordwand unter Benutzung loser Fußbodenplatten aus dem Rechnerraum. Im Vorfeld hatten wir einen Plan ausgearbeitet, welche Geräte wie und wo auf die Ladefläche kommen mußten, damit wir alles drauf bekamen und daß sie dann, entsprechend der Ausladestation, in geeigneter Reihenfolge wieder abgeladen werden konnten. Dieser Plan wurde an die Haustür geklebt und am Ende der Aktion mit weiteren Informationen und dem aktuellen Datum für spätere Besucher des Gebäudes hinterlassen. Zuerst wurden die Geräte für uns und Arthur vom Technikmuseum Merseburg verladen. Hier durfte der erste der beiden Paralleldrucker verladen werden. Nur durch kräftiges Zupacken aller gelang es uns, das Gerät auf den Hubwagen und wieder herunter zu bekommen. Das Feinpositionieren auf der Ladefläche war dann nochmal ein Kraftakt. Es folgte das starkkorodierte Bedien- und Wartungspanel der EC1040, welches in einem feuchten Raum gelegen hatte. Dieser Teil der Aktion war etwas eklig. Weiter ging es mit dem zweiten Drucker, den Marcel in Plauen haben wollte, einem Wechselplattencontrollerschrank mit auch mehr als 400Kg Gewicht und weiteren Platten und Bandgeräten. Bei den letzten Geräte zahlte sich die genaue Vorarbeit aus - sie wurden zentimetergenau positioniert und schlossen fast gerade mit der Rückwand des Lkw ab. Wir mußten die letzte Wechselplatte auf der Hubwand drehen und abladen. Nun wurden die 100Mb-Wechselplattenkassetten, die von den Anwendern auch häufig "Torten" genannt wurden auf die Plattenspeichergeräte verteilt und gegen Verrutschen gesichert. Zum Schluß wurden noch die russische Holzkiste, die Kabel sowie Hubwagen und Sackkarre eingepackt. Erstaunlich, daß sich das Fahrzeug überhaupt noch bewegte...
Die Uhr zeigte 13:00 und langsam sahen wir den Zeitplan komplett im Schalmm versinken. Die drei schweren Typenwalzen sowie Kai und Richard fuhren mit Sebastian im Scirocco dem Lkw hinterher, in dem Rüdiger lenkte und Ronny navigierte. Beide Fahrzeuge waren über die ganze Zeit über Sprechfunk in Verbindung miteinander. Als erstes ging es nach Mehna bei Altenburg, wo wir fast zwei Tonnen Technik in einer trockenen Scheune abluden. Marcel und seine Leute arbeiten in Plauen am Aufbau eines Computermuseums und werden später die Technik hier abholen. Beim Heranfahren an die Scheuna sah es im Regen teilweise so aus, als wolle der Lkw im Matsch versinken...aber er kam durch.
Wir beeilten uns noch mehr als beim Einladen, da Arthur schon trampelte. Er hatte keinen Schlüssel zu seinem Museum und die Leute mit dem Schlüssel waren stark an einem frühen Feierabend interessiert. Nun ging es im Dauerregen weiter über Zeitz nach Naumburg zu Ralfs Werkstatt. Es stellte sich heraus, daß er nicht nur Rechner sammelt sondern auch sehr schicke exotische Autos und allerlei Werkzeugmaschinen. Dummerweise war aber seine Laderampe 30cm höher als die höchste Stellung unserer Ladebordwand. An der Stelle dankte ich Gott, daß Ralf sich für ne Wechselplatte und ein Bandgerät und nicht für einen Drucker entschieden hatte. Mit purer Kraftanstrengung wurden die beiden Geräte die Kante hochgehievt. Durch den Möbelroller wurden aber die Seitenwände etwas beschädigt. Vermutlich muß hier erstmal wieder etwas gebogen und lackiert werden, damit sie wieder so schick wie zuvor aussehen. In dem Moment, wo der Möbelroller ne Krätsche machte und seine Lagerkugel sich über die Laderampe ergossen rief wieder Arthur an um herauszufinden, wo wir blieben. Mitlerweile wurde alles etwas zeitkritisch. Ralf steuerte großzügigerweise achtzig Euro für den Transport bei und wir verständigten uns auf zukünftige Zusammenarbeit (vor allem bei der bevorstehenden Rettung der Prozeßrechner von Lubmin).
Nachdem wir aus dem Gewirr schmaler Einbandstraßen enkommen waren, führte uns Kais Schleichweg über Beuna und eine Reihe weiterer Ortschaften durch eine in der Dämmerung untergehende Bergbaufolgelandschaft mit großen Seen und einigen scharfen Kurven und martialischen Steigungen.
Im Dunklen, es mag so gegen 17:30 gewesen sein, trafen wir an der FH-Merseburg ein....und standen erstmal vor verschlossenen Schranken...aus denen kurz darauf auch noch jemand rausfahren wollte. Der Sicherheitsdienst war gerade unterwegs gewesen und wir mußten einige Minuten warten. Herr Schuhmann, der Reporter der Mitteldeutschen Zeitung erwartete uns bereits uns begann, nachdem der Lkw direkt am Gebäude positioniert war, damit, uns beim Entladen zu fotografieren und sich aus dem hektischen Treiben heraus Informationen zu unserer Arbeit und der geretteten Technik für seinen Artikel, zu notieren. Nach höchstens dreißig Minuten hatten wir das Bandgerät, zwei der Wechselplatten, einen Magnetbandsteuerschrank und einen Haufen Kabel und Wechselplattenkassetten in der langsam kuschlig-engen Ausstellungsfläche. Hier wird in den nächsten Tagen etwas Ordnung geschafft. In stockdunkler Nacht gings mit den letzten verbliebenen Geräten, zu denen noch einer dieser köstlich schweren Drucker gehörte, zu Arthur. Bei unserer Truppe waren trotz der Anstrengung alle bei glänzender Laune und Arthurs Kollege kam extra nocheinmal von zuhause um das Tor aufzuschließen und die drei großen Hunde zu beschäftigen, während wir abluden. Besonders freute er sich über die Ersatz-Typenwalze, die wir aus dem dritten Drucker ausgebaut hatten. Arthur hatte früher für das Kombinat robotron Großrechenanlagen mit aufgebaut und diese Paralleldrucker waren seine Spezialität. Er erzählte uns, daß es neben den monolitischen Typenwalzen, wie wir sie hier hatten, noch eine Bauform gab, wo man die Typen einzeln drauffädeln konnte. Er hatte früher solche Walzen repariert und justiert. Arthur unterstützte uns bei den Transportkosten mit 20 EUR.
Da es nun markant auf halb acht zuging, war klar, daß sowohl bei AVIS wie auch bei HKS kein Mensch mehr war. Den Lkw stellten wir bei AVIS ab und gaben den Schlüssel an der nahen Tankstelle ab. Rüdiger fuhr von dort aus direkt nach Wolfsburg, wo er arbeitete. Kai brachten wir zum Bahnhof in Halle - er wollte nochmal zu seiner Tante nach Markkleeberg fahren. Ronny wurde von Rüdiger nach hause gefahren und Sebastian und Richard fuhren zu sich und legten den Hubwagen dann so ins Auto, daß die Klappe zuging. Er wurde am nächsten morgen den etwas verblüfften Mitarbeitern von HKS mit bestem Dank zurückgegeben - sie waren erstaunt, daß man das Gerät komplett in das Auto stecken konnte.
Die Kosten für die Aktion lagen mitsamt dem Treibstoff bei 310,- EUR
Dank der großzügigen Hobbykollegen blieben für uns 210,- EUR übrig und für Rüdiger der Spritt für seine langen Fahrten.
Insgesamt wurden 20 größere Geräte sowie ca. 2 Kubikmeter Zubehör wie Kabel und Ersatzteile und zwei Duzent "Torten" gerettet.
Das Gesamtgewicht der Technik liegt im Bereich von 4,7 t.
Leider mußte die Anlage auseinandergepfückt werden aber Hauptsache, die Geräte werden gerettet. Mit 4...5 Geräten nebeneinander kommt aber schon Großrechner-Feeling auf und vielleicht ist es sogar besser, wenn mehrere Interessengruppen etwas davon haben.
Bilder des Abbaus und des Transportes.
Wir danken folgenden Personen für herausragende Hilfeleistungen: